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Mittwoch, den 30. Juni 99, fand statt:
Podiumsveranstaltung
"Internationales Insolvenzrecht / Dt. Insolvenzrecht mit Auslandsberührung"
Kritischer Blick von "außen" auf das deutsche Insolvenzrecht
Dr. Mario Thurner, Prof. Dr. Harry Rajak,
Prof. Dr. Stefan Smid , RA Hans-Gerd Jauch

Prof. Dr. Christoph Paulus

Am Mittwoch, den 30.6.1999, war die allmonatliche Veranstaltung des Berlin-Brandenburgischen Arbeitskreises für Insolvenzrecht dem internationalen Insolvenzrecht gewidmet. Anstelle eines einzigen Vortrages wurden diesmal Kurzvorträge von fünf verschiedenen Wissenschaftlern und Praktikern aus drei Ländern gehalten, die jeweils unterschiedliche Aspekte dieser immens umfangreichen Rechtsmaterie beleuchteten. Da das internationale Insolvenzrecht in Deutschland - in vollkommenen Kontrast zu seiner tatsächlichen Bedeutsamkeit vor allem im anglo-amerikanischen Rechtskreis - nach wie vor ein Schattendasein fristet, war es das Bestreben dieser Veranstaltung u.a., Problembewusstsein bei den Zuhörern zu wecken und einen informativen, ersten Einblick in die Materie zu eröffnen.

Das erste Referat hielt Prof. Harry Rajak von der University of Sussex, England. Er machte deutlich, warum es (seit jeher) wünschenswert ist, ein einheitliches Insolvenzrecht anzustreben - und wenn nicht im Wege der Harmonisierung, dann doch wenigstens durch Verträge. In diesem Zusammenhang ging er auf die Geschichte der europäischen Bemühungen um einen derartigen Vertrag ein, deren letzter Versuch freilich gerade kurz vor (oder gar mitten drin) dem Scheitern steht. Abschließend stellte Rajak noch anhand eines absoluten leading case im internationalen Insolvenzrecht, dem Maxwell Case, dar, wie man sich auch ohne völkerrechtliche Verträge behelfen kann - nämlich in Gestalt von ad hoc Vereinbarungen zwischen den beteiligten Verwaltern und Richtern.

Im Anschluß hieran trug Herr Mario Thurner aus Wien, Österreich, seine Erfahrungen im Zusammenhang mit der Entwicklung einer Insolvenzrechtskultur in einigen osteuropäischen Ländern vor, die er als Direktor eines mit derartigen Problemen ständig befaßten Instituts bislang hat sammeln können. Hierbei wurde besonders deutlich, wie groß die Diskrepanz zwischen den westlichen und den im Übergang befindlichen Ländern ist, was so scheinbar selbstverständliche Dinge anbelangt wie eine vertrauenswürdige Justiz, qualifizierte Verwalter, etc. .

Als Dritter trug Rechtsanwalt Hans-Gerd Jauch aus Köln einen ebenso informativen wie unterhaltsamen Bericht über sein - als "Kohle-Reiterei" apostrophiertes - Verfahren vor, in dem er mit Geschick und Zufall auf eine Yacht des Gemeinschuldners in Mallorca oder ein üppiges Bank-Konto in der Schweiz gestoßen war. Dieser Vortrag machte gerade dem Praktiker eindringlich klar, welches fast detektivisches Gespür man entwicklen muß und welch zähes Beharrungsvermoegen erforderlich ist, um Auslandsvermögen zu finden, das der Schuldner verheimlichen will.

Danach sprach Prof. Stefan Smid aus Halle über den unterschiedlichen Stil und Inhalt des (jüngsten) europäischen Übereinkommensentwurf und dem UNCITRAL Modellgesetz, das vornehmlich von dem sich aus anglo-amerikanischen Praktikern konstitutierenden Verein INSOL vorgeschlagen, beraten und schließlich so von der UNO angenommen worden ist. Hier muß den kontinentaleuropäischen Praktikern ein großer Vorwurf entgegengebracht werden, weil sie sich bislang nie so richtig auf dieses höchst einflußreiche Forum begeben haben und dadurch von vornherein als Akteure und Träger von Einfluß ausscheiden.

Den Abschluss bildete der Vortrag von Prof. Paulus, Humboldt-Universität zu Berlin, der davon berichtete, daß das Insolvenzrecht - sowohl das nationale wie das internationale - zur Zeit einen einzigartigen Bedeutungszuwachs erlebt. Dies wird besonders deutlich an den Bemühungen des Internationalen Währungsfond in Washington D.C., der mit Hilfe des Vortragenden eine Art Kochbuch entwickelt hat, wie man ein modernes und effizientes Insolvenzgesetz entwirft, bzw. wie die weltweit gemeinsamen Standards des Insolvenzrechts aussehen.