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Wirtschaftslage
Mittelstand, Frühjahr 2001
Getrübte
Konjunkturerwartungen( Volltext)
Nach den positiven Aussagen des Mittelstandes zur Konjunktur im Frühjahr 2000 zeigen die aktuellen Werte wieder nach unten. So gingen die guten Noten bei der Bewertung der Auftragslage um 3 Prozentpunkte auf 35 Prozent zurück. Gleichzeitig verteilten mehr Unternehmer schlechte Noten (2001: 16,7 Prozent; 2000: 12,4 Prozent). Die gedämpfte Stimmung betrifft Ost- und Westdeutschland gleichermaßen - bleibt aber auf einem unterschiedlichen Niveau. So erteilten im Westen noch 39 Prozent der Betriebe ihrer Ordersituation gute und sehr gute Noten (2000: 41,4 Prozent), im Osten sind es 24,5 Prozent (28,9 Prozent). Mangelhaft und ungenügend nennen in den westlichen Landesteilen 11,5 Prozent die Auftragslage (2000: 7,8 Prozent), in den östlichen Landesteilen 30,5 Prozent (Vorjahr 24,8 Prozent). Während im Großhandel und Verarbeitenden Gewerbe mehr gute Noten als im Frühjahr 2000 verteilt wurden - die positive Stimmung lässt sich sicherlich auf die gute Exportsituation zurückführen - verzeichnet neben dem Baugewerbe auch der Dienstleistungssektor einen deutlichen Rückgang positiver Aussagen (Bau: minus 12,7 Prozentpunkte; Dienstleistung: minus 10,4 Prozentpunkte).
Der Text wurde von der
Creditreform Berlin zur Verfügung gestellt
Wirtschaftslage
Handwerk, Frühjahr 2001
Dunkle Wolken am
Konjunkturhimmel (Volltext)
Zwei Entwicklungen kennzeichnen die negativen Konjunktureinschätzungen im deutschen Handwerk: die andauernde Krise am Bau sowie die schwierige Wirtschaftslage in Ostdeutschland. Allerdings fällt auch in Westdeutschland die Einschätzung der aktuellen Situation dürftiger als im Vorjahr aus. Die insgesamt gute Gesamtkonjunktur dank des Exportbooms hat sich - wenn überhaupt - nur wenig beim Handwerk niedergeschlagen.
Der Text wurde von der
Creditreform Berlin zur Verfügung gestellt
Fast die Hälfte aller Pleite-Unternehmen bekommen zweite Chance
Hamburg (dpa) - Nach der Neuordnung des Insolvenzrechts bekommen mehr Pleite-Firmen eine zweite Chance. Nach einer Übersicht der Hamburger Wirtschaftsauskunftei Bürgel wurden im ersten Halbjahr 2000 in Deutschland 5 884 der rund 12 800 beantragten Insolvenzen in ein ordentliches Insolvenzverfahren übergeleitet. Damit stieg die Zahl der eröffneten Verfahren gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 14,7 Prozent. Insgesamt erhielten 47 Prozent der Unternehmen die Möglichkeit zur Sanierung. Zu Zeiten der alten Konkursordnung seien es nur rund 30 Prozent gewesen.
"Die neue Insolvenzordnung hat das
Ziel erreicht, mehr Unternehmen die Chance zur Sanierung zu geben",
sagte Bürgel-Geschäftsführer Tilman Bettendorf am
Mittwoch in Hamburg. "Viele Unternehmen nutzen für einen
Insolvenzantrag den frühestmöglichen Zeitpunkt, in dem noch
ausreichend Masse vorhanden ist, um ihr Unternehmen und die
Arbeitsplätze zu sichern." Bürgel rate Unternehmen dazu,
bereits zum Zeitpunkt drohender Zahlungsunfähigkeit den
Insolvenzantrag zu stellen. "Wer wartet, bis die Kasse
vollständig leer ist, vergibt die Chance auf Rettung seines
Unternehmens."
Juli 2000
Zahl der Pleiten in Westeuropa geht weiter zurück
Düsseldorf, 1. Februar 2000 (AFP) - Die Zahl der Pleiten in Westeuropa ist im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Wie der Verband Creditreform am Dienstag in Düsseldorf mitteilte, wurden 1999 in den 15 EU-Staaten sowie der Schweiz und Norwegen noch 182.200 Insolvenzen verzeichnet und damit 4,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Für Deutschland, wo 33.500 Unternehmen in Konkurs gingen, ergab sich demnach ein Rückgang um 1,4 Prozent. Deutlich zu nahm die Zahl der Pleiten dagegen in ásterreich: Mit 8900 zahlungsunfähigen Firmen stieg der Wert um 21,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In allen 17 Staaten gingen durch Unternehmenspleiten im vergangenen Jahr 1,4 Millionen Arbeitsplätze verloren. Der Höhepunkt der Insolvenzwelle in Europa Anfang der neunziger Jahre habe die Wirtschaft aber hinter sich gelassen, betonte Creditreform. Als Hauptgrund für die Zahlungsunfähigkeit nannte der Verband eine zu geringe Eigenkapitaldecke vieler Unternehmen. In Deutschland liege die Quote in vielen Fällen nur zwischen zehn und 20 Prozent. Damit wiesen vor allem mittelständische Betriebe "nur wenig Stabilität" auf. Sie sind daher in schwierigen Zeiten stark von ihren Kreditgebern abhängig. Gerade für kleinere Unternehmen wirke sich auch die schlechte Zahlungsmoral vieler Kunden aus. Durch Verzögerungen bei mehreren oder größeren Kunden könnten diese Firmen schnell in Zahlungsschwierigkeiten kommen.
Der vollständige Text der
Presseerklärung
"Insolvenzen in Europa 1999/2000" liegt vor.
Zu "Unternehmensentwicklung
1999, Gipfel der Insolvenzen überschritten" liegt ebenfalls der Text vor.
Der Text wurde von der Creditreform Berlin zur Verfügung gestellt
Landtag Brandenburg Drucksache
3/236
3. Wahlperiode
Antwort der Landesregierung
auf die Kleine Anfrage 32
der Abgeordneten Birgit Fechner
Fraktion der DVU
Drucksache 3/59
Insolvenzverfahren im Land Brandenburg
Wortlaut der Kleinen Anfrage 32 vom 26. Oktober 1999
Ich frage die Landesregierung:
1. Wie viele Insolvenzverfahren wurden im Lande Brandenburg in den Jahren 1991 bis 1999 (Stand: 30.09.1999) durchgeführt (bitte detaillierte Aufschlüsselung)?
2. Wie viele der unter 1. genannten Insolvenzverfahren wurden mangels Masse abgelehnt (bitte detaillierte Aufschlüsselung)?
3. Wie viele der unter 1. genannten Insolvenzverfahren entstanden aufgrund von offenen Forderungen gegenüber bzw. aufgrund der schlechten Zahlungsmoral von anderen Schuldnern?
4. Welche Gesamtschuldsummen blieben in den Jahren 1991 bis 1999 (Stand: 30.09.1999) nach Abschluß der unter 1. genannten Insolvenzverfahren bestehen (bitte detaillierte Aufschlüsselung)?
5. Was will die Landesregierung gegen die sich verschlechternde Zahlungsmoral von öffentlichen und privaten Auftraggebern in Brandenburg unternehmen?
Datum des Eingangs: 29.11.1999 / Ausgegeben: 06.12.1999
Namens der Landesregierung beantwortet der Minister der Justiz und für Europaangelegenheiten die Kleine Anfrage wie folgt:
Zu Frage 1 und 2:
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Insolvenzverfahren |
Masse abgelehnt |
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Zu Frage 3:
Insoweit liegen keine Daten vor. Welcher - ohnehin nur auf Grund
einer betriebswirtschaftlichen Analyse ermittelbare - wirtschaftliche
Grund Ursache für eine Überschuldung oder
Zahlungsunfähigkeit ist, wird statistisch nicht erfasst.
Zu Frage 4:
Eine Statistik der nach Durchführung der
Insolvenz-/Gesamtvollstreckungsverfahren weiterhin offenen
Forderungen wird für das Land Brandenburg nicht
geführt.
Zu Frage 5:
Nach Ansicht der Landesregierung bedarf es zur Verbesserung der
Zahlungsmoral einer bundesgesetzlichen Regelung, durch die die
Rechtsstellung des Gläubigers gestärkt wird. Für die
Landesregierung hat das Ministerium der Justiz und für
Europangelegenheiten aktiv in einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe
mitgewirkt, die Gesetzesvorschläge erarbeitet hat. Diese
Vorschläge werden voraussichtlich in die bereits laufenden
Beratungen des Deutschen Bundestages einfließen.
Insolvenzrecht: Nur wenige
Schuldner nutzen den letzten Rettungsanker
Richter und Anwälte kritisieren Gesetzeslücken und stellen
Unsicherheiten bei Verbauchern fest
Berlin (se). Zwei Monate, nachdem die neue Insolvenzornung in Kraft getreten ist, haben Richter und Anwälte erhebliche Anlaufschwirigkeiten festgestellt. Der erwartete Andrang von überschuldeten Kleinunternehmen und privaten Schuldnern, die einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren stellen, ist bisher ausgeblieben. Gründe für diese Zurückhaltung gibt es nach Ansicht von Vertretern des Berlin/Brandenburger Arbeitskreises für insolvenzrecht viele. Vor allem die Unsicherheit, was den Schuldner im Insolvenzverfahren erwartet, halte viele überschuldete Verbaucher von diesem Schritt ab. Obwohl das Gesetz sie vor einem Konkurs bewahren und einen wirtschaftlichen Neuanfang bieten könnte.
Seit dem ersten Januar haben kleine Unternehmen und private Verbraucher die Möglichkeit per Insolvenzverfahren sieben Jahre lang Zeit, ihren Schuldenberg abzutragen. Danach werden sie von der Restschuld befreit. Insgesamt 50 Schuldner haben in Berlin bisher einen Antrag auf ein solches Verfahren gestellt, in Potsdam waren es bis Februar nur sechs Antragsteller. Voraussetzung für einen Antrag beim Gericht ist der Gang zur Schuldnerberatung. Dort wird zunächst eine außergerichtliche Einigung angestrebt. Dazu erstellen Berater und Schuldner einen Schuldenbereinigungsplan, in dem ein anteiliger oder vollständiger Erlaß der Schulden enthalten sein kann. Denkbar wäre auch die Forderung an die Gläubiger, Zinsen zu senken oder zu erlassen oder Ratenzahlung anzubieten.
"Dabei kommen auf den Schuldner meist erhebliche Kopier- und Portokosten zu, die viele nicht mehr zahlen können", gibt Thorsten Graeber, Richter am Amtsgericht Potsdam und Mitglied des Arbeitskreises Insolvenzrecht zu bedenken. Es seien auch Schuldner dabei, die ihren Plan nur einem großen Gläubiger vorlegen. "Lehnt dieser ab, brauchen sie es bei den anderen nicht mehr zu versuchen, denn die Voraussetzung für eine außergerichtliche Einigung ist das Einverständnis aller Gläubiger", sagte Kurt Rautenberg, Richter am Amtsgericht Charlottenburg.
Können sich Gläubiger und Schuldner außergerichtlich nicht einigen, wird der Schuldenbereinigungsplan an das Gericht weitergereicht und ein Insolvenzverfahren eröffnet. Auch hier klaffe eine Gesetzeslücke, sagt Graeber. Denn zur Eröffnung eines solchen Verfahrens kämen Prozeßkosten auf den Antragsteller zu. "Man muß mit 3000 bis 5000 Mark rechnen, damit das Verfahren überhaupt eröffnet werden kann", sagte der Richter. Kaum ein Schuldner könne diese Kosten übernehmen. "Eine gesetzliche Regelung zu Prozeßkostenhilfe gibt es bisher nicht", sagt Graeber.
Wiesbaden (dpa) - Die Pleitewelle in Deutschland ist im vergangenen Jahr abgeebbt. Mit einem Anstieg von 1,7 Prozent auf 33 977 Insolvenzen sei der Anstieg deutlich geringer ausgefallen als in den beiden Vorjahren mit Zuwachsraten von 6,1 (1997) und 7,6 (1998) Prozent, berichtete das zentrale deutsche Statistikamt in Wiesbaden (Hessen) am Donnerstag.
Die Zahl der Unternehmens-Insolvenzen erhöhte sich um 1,3 Prozent auf 27828. Die voraussichtlichen Forderungen von mehr als 39 Milliarden DM lagen um 2,0 Prozent über dem Vorjahreswert.
Die Zahlen entwickelten sich in
Westdeutschland günstiger als im neuen. Im Westen führten
Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung im vergangenen Jahr
nach der Statistik zu 24 432 Insolvenz-Anträgen (plus 0,9
Prozent). Im Osten summierte sich die Gesamtzahl der Insolvenzen auf
9 545 (plus 3,9 Prozent). Im Westen zählten die Statistiker 19
213 Unternehmens-Insolvenzen, was sogar einem Rückgang um 0,7
Prozent entspricht. Im Osten stieg die Zahl der zahlungsunfähig
gewordenen Unternehmen dagegen um 6,0 Prozent auf 8 615.
©dpa
Umsetzungsprobleme bei der Insolvenzreform
Kritik an der zum 1. Januar 1999 in Kraft tretenden Insolvenzordnung hat der Berlin-Brandenburger Arbeitskreis für Insolvenzrecht geübt. Der Ansatz sei richtig, die Umsetzung jedoch weiter kritikwürdig, wurde am Dienstag in Berlin betont. Zu viele Stolpersteine und hohe bürokratische Hürden ließen befürchten, daß die Ergebnisse der begrüßenswerten Reform hinter den Erwartungen zurückbleiben. Das Gesetz hat zum Ziel, bei konkursbedrohten Unternehmen eine Sanierung zu betreiben, sowie nicht berechtigte Gläubiger bei Konkursen gerechter zu befriedigen. Auch private Schuldner könnten eine Restschuldbefreiung durch einen "Verbraucherkonkurs" erreichen. (adn)
Juristen machen nur wenig
Hoffnung:
Sieben bittere Jahre für die Schuldner
Zu hohe Erwartungen an
Schuldenbereinigung / Berater appellieren an Einsicht der
Gläubiger
Hans Toeppen
Berlin. Eine ganz besondere Spezies Mensch erhält dieser Tage freundliche Briefe. "Sehr geehrte Damen und Herren" schreibt die Schuldnerberatungsstelle Julateg an alle Gläubiger des Landes, mit denen sie zu tun bekommt. Gläubiger, das sind Menschen (und juristische Personen), bei denen andere Menschen Schulden haben. Julateg will sie auf das neue Insolvenzrecht aufmerksam machen, das 1999 in Kraft tritt. Die Schuldnerberater wollen sie von den Vorteilen auch für Gläubiger überzeugen. Denn gerade große Firmen zeigten bisher wenig Bereitschaft, sich mit außergerichtlichen Vergleichen zu beschäftigen, sagt Julateg-Geschäftsführer Wolfgang Münzner.
"Die Perspektive auf Schuldenfreiheit in überschaubarer Zeit (5 oder 7 Jahre) kann hohe Energien freisetzen. Die Motivation für den redlichen Schuldner, die Schuldenregulierung aktiv in Angriff zu nehmen und auch durchzuhalten, wird zweifelsfrei anwachsen," schreibt Julateg. "Daher schafft Ihnen dieses Gesetz auch als Gläubiger neue klare Perspektiven, weil der Schuldner zu einer kontinuierlichen Leistung motiviert wird."
140 000 bis 150 000 Haushalte in Berlin gelten als überschuldet. In ganz Deutschland können es zwei Millionen sein. Und jährlich gibt es über 25 000 Unternehmens-Insolvenzen. Deshalb hat die neue Insolvenzordnung zwei Zielgruppen. Kriselnde, von Zahlungsunfähigkeit bedrohte Firmen können sich künftig von den Gläubigern unter den Schutz des Insolvenzgerichtes begeben und Zeit für eine Sanierung gewinnen. Grundsätzlich hofft der Gesetzgeber auf mehr Insolvenz ("Konkurs")-Verfahren und weniger Firmenzusammenbrüche. Zweite Zielgruppe sind zahlungsunfähige Verbraucher. Das Wort "Verbraucherkonkurs" ist längst berühmt geworden. Es hat aber auch völlig unberechtigte Hoffnungen auf schnelle Streichung von Schulden geweckt. Denn vor die Tilgung hat der Bundestag eine lange Wartezeit gesetzt, und sie ist mit Dornen gespickt. Im außergerichtlichen Vorverfahren soll der Schuldner zunächst mit Hilfe von Beratungsstellen oder Anwälten versuchen, sich mit allen seinen Gläubigern zu einigen. Scheitert dies, wird noch einmal, diesmal unter gerichtlicher Aufsicht, mit einem Schuldenbereinigungsplan eine Regulierung versucht. Einzelne Gläubiger können dabei sogar von anderen überstimmt werden.
Kommt auch jetzt keine Einigung zustande, wird im vereinfachten Insolvenzverfahren, so weit möglich, das Vermögen des Schuldners verwertet. Erst dann tritt das Wort auf den Plan, auf das so viele Schuldner ihre Hoffnung setzen: Das gerichtliche Restschuldbefreiungsverfahren. Sieben Jahre lang muß der Schuldengebeutelte seine pfändbaren Einkünfte an einen Treuhänder abführen. Dieser verteilt sie nach bestimmten Quoten an alle Gläubiger. Erst wenn der Schuldner diese "Wohlverhaltensperiode" heil überstanden hat, ist er die Last der Verpflichtungen los.
"Die meisten werden es nicht schaffen, weil die Anforderungen zu hoch sind", sagte gestern der Potsdamer Amtsrichter Thorsten Graeber. Er ist Vorsitzender des Berlin/Brandenburger Arbeitskreises für Insolvenzrecht, der sich seit dem Frühjahr bemüht, Gläubiger und Behörden an einen Tisch zu bekommen. Vor der Presse warnten gestern auch mehrere Rechtsanwälte vor übertriebenen Hoffnungen auf die "Restschuldbefreiung". Man könnte nur abwarten, ob die Schuldner überhaupt bereit und fähig seien, mindestens sieben Jahre durchzuhalten. Den heißesten Punkt dabei hat der Gesetzgeber offenbar vergessen oder ausgeklammert: Ob es für das gerichtliche Vefahren Prozeßkostenhilfe gibt. Jeder Richter kann dies nun unterschiedlich entscheiden. Graeber sieht schon "Schulden-Tourismus" zu einzelnen Gerichten voraus.
Schuldentourismus und
Kostenlawine
Das ab 1. Januar geltende neue Insolvenzrecht hat viele
Schwächen - mehr Verfahrenseröffnungen
BM/muh Berlin - Alle 20 Minuten meldet ein Betrieb in Deutschland Konkurs oder Gesamtvollstreckung an. Und alle 50 Sekunden leistet ein Mensch den Offenbarungseid. "Dabei gehen viele Leute psychisch und physisch kaputt", sagt Volkmar Strauch, Vize des Arbeitskreises für Insolvenzrecht, der sich bemüht, die ab 1. Januar 1999 geltende neue Insolvenzordnung (InsO) öffentlich bekannt zu machen. Die InsO wird für Unternehmen und Privatleute in finanziellen Krisen Veränderungen bringen. Bisher seien die Auswirkungen jedoch schwer abschätzbar, heißt es beim Arbeitskreis.
Bei Firmen soll die Sanierung im Vordergrund stehen und nicht wie bisher die Zerschlagung. Nach amerikanischem Vorbild wird ein Insolvenzplan eingeführt. Er soll vor allem Gläubigerrechte stärken. "Das neue Recht ist viel zu langwierig und teuer", sagt Rechtsanwalt und Vereinsmitglied Rolf Rattunde. Das neue vierstufige Entschuldungsverfahren für Private würde acht bis zehn Jahre dauern. Zudem würden bundesweit 3000 zusätzliche Justizangestellte benötigt. "Allerdings, könnte es, anders als bisher, bei etwa der Hälfte aller Anträge zur Eröffnung eines Verfahrens kommen", schätzt Rattunde. Das sei der einzige Vorteil. 1997 und 1998 stellten Privatleute und Unternehmen in Berlin jeweils 5000 Konkursanträge. Aber nur 500 Verfahren seien eröffnet worden. Der Rest wurde mangels Masse eingestellt.
Außerdem trifft die neue InsO keine Vereinbarungen zur Prozeßkostenhilfe -gerade bei hochverschuldeten Privatleuten eine Hürde für die gerichtliche Restschuldbefreiung. Letztlich entscheiden die jeweiligen Richter im Einzelverfahren über die Gewährung von Prozeßkostenhilfe. "Dadurch könnten auf die Länder Belastungen bis zu fünf Milliarden DM zukommen", sagt Thorsten Graeber, Vorsitzender des Arbeitskreises. "Außerdem wird es so etwas wie Schuldentourismus geben. Gewitzte Schuldner werden sich an ein Gericht wenden, an dem die Richter großzügig Beihilfen gewähren."

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Innerhalb von nur acht Jahren hat sich die
Zahl der deutschen |
Prozent in Ostdeutschland entfielen hingegen
auf das verarbeiten- |
Wiesbaden/Bonn, 3. September (AFP) -
Die Zunahme der Pleiten in Deutschland hat sich im ersten Halbjahr
deutlich abgeschwächt. Wie das Statistische Bundesamt in
Wiesbaden am Donnerstag mitteilte, mußten in den ersten sechs
Monaten des Jahres 17.075 Unternehmen und Privatpersonen Konkurs
anmelden. Dies sind zwar 2,9 Prozent mehr als im entsprechenden
Vorjahreszeitraum, der Zuwschs liegt aber klar unter den
Steigerungsraten der vergangenen Jahre. Für das Gesamtjahr 1997
war eine Zunahme um 7,6 Prozent, für 1996 sogar ein Zuwachs um
14,3 Prozent verzeichnet worden. Bundeswirtschaftminister Günter
Rexrodt (FDP) wertete die Zahlen als Beleg für eine Trendwende,
durch die auch Existenzgründungen einen zusätzlichen Schub
erhielten. "In Deutschland herrscht Gründerzeit", erklärte
der Minister in Bonn.
Besonders günstig war die Insolvenzstatistik laut Wiesbadener
Bundesamt im Mai und im Juni. Die Pleitezahlen lagen beispielsweise
im Juni rund 17 Prozent niedriger als im Juni 1997. Trotz der leicht
gestiegenen Insolvenzzahlen im ersten Halbjahr lag die Summe der
offenen Forderungen mit 19,4 Milliarden Mark gut zwei Milliarden Mark
unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Im früheren Bundesgebiet
seien in den ersten sechs Monaten 12.205 Konkurse und damit 1,8
Prozent mehr als im ersten Halbjahr 1997 registriert worden. In den
neuen Ländern habe die Zahl der Pleiten bei 4870 gelegen, 5,6
Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Konkurse in
Deutschland ist seit 1992 beständig gestiegen, zum Teil mit
zweistelligen Zuwachsraten.
© AFP
Wiesbaden, 10. Juli (AFP) - Die seit
1992 andauernde Pleitewelle in Deutschland hat sich zu Jahresbeginn
noch einmal verstärkt. Von Januar bis April mußten 11.607
Unternehmen und Privatmenschen den Gang zum Konkursgericht antreten,
wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte.
Dies waren 9,4 Prozent mehr als im Vergleichzeitraum des Vorjahres.
In Ostdeutschland war die Lage nach wie vor düsterer als im
Westen. Während die Insolvenzen größerer Unternehmen
nur unwesentlich zunahmen, kamen den Angaben zufolge zunehmend
Einzelkaufleute, Kleingewerbetreibende und Privathaushalte in
Bedrängnis.
Von Januar bis April dieses Jahres mußten 9488 Unternehmen
Konkurs anmelden. Dies entspricht einer Steigerungsrate von 9,7
Prozent im Vergleich zu den ersten vier Monaten 1997. Für April
wurden den deutschen Gerichten 2930 Insolvenzen, darunter 2426 von
Unternehmen gemeldet. Dies sind 7,4 Prozentoder 8,6 Prozent mehr als
im April 1997. In Ostdeutschland liegen die Steigerungsraten deutlich
über dem Bundesdurchschnitt. Von Januar bis April erhöhte
sich die Zahl der gesamten Insolvenzen um 15,8 Prozent im Vergleich
zum Vorjahreszeitraum. Die darin enthaltenen
Unternehmenszusammenbrüche nahmen um 18,1 Prozent zu. Die
entsprechenden Steigerungsraten für Westdeutschland liegen bei
7,1 und 6,3 Prozent.
Neben Unternehmenspleiten erfaßt die Konkursstatistik
Insolvenzen der sogenannten übrigen Gemeinschuldner, worunter
natürliche Personen und Nachlaßkonkurse
zusammengefaßt sind. Nach der Entwicklung der ersten Monate ist
auch in diesem Jahr mit einem neuen Pleitenrekord zu rechnen, nachdem
die Zahl der Insolvenzen bereits in den vergangenen Jahren
kontinuierlich zugenommen hat.
Im gesamten vergangenen Jahr wurden 33.410 Pleiten gemeldet, was ein
neuer Negativrekord war. Die Zahl der Pleiten stieg um insgesamt 6,2
Prozent, was immerhin die niedrigste Zuwachsrate seit 1992 war. Seit
1992 stieg die Zahl der Konkurse in Deutschland beständig, zum
Teil mit zweistelligen Zuwachsraten.
© AFP
Wiesbaden, 7. Mai (AFP) - Die Zahl
der Konkurse hat im Februar in Westdeutschland abgenommen, ist wegen
der anhaltenden Pleitewelle im Osten gesamtdeutsch aber weiter
angestiegen. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in
Wiesbaden mitteilte, wurden im Feburar in Deuschland 2785 Insolvenzen
verzeichnet, 0,8 Prozent mehr als im Februar 1997. 6,9 Prozent mehr
als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Zahl der reinen
Unternehmenszusammenbrüche betrug im Februar 2264 und seit
Jahresbeginn 4484.
Die Entwicklung fiel in Ost und West sehr unterschiedlich aus.
Während die Gesamtzahl der Konkurse in Westdeutschland im
Februar mit 2018 um 3,9 Prozent unter dem Vorjahreswert lag und die
der Unternehmenszusammenbrüche mit 1567 sogar um 4,7 Prozent
niedriger, setzte sich der Anstieg der Insolvenzen in den neuen
Bundesländern mit zweistelligen Zuwachsraten fort. Insgesamt
wurden im Berichtsmonat in Ostdeutschland 767 Antäge auf
Gesamtvollstreckung gestellt, 15,9 Prozent mehr als im Februar 1997.
688 betrafen Unternehmen, 17,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Seit
Jahresbeginn wurden in Ostdeutschland 1563 Konkurse, darunter 1348
Unternehmenszusammenbrüche, verzeichnet, 19,2 Prozent
beziehungsweise 16,6 Prozent mehr als im entsprechenden
Vorjahreszeitraum.
© AFP
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Berlin (ADN). Ein
Arbeitskreis für Insol- |
ne erreicht
werden, daß Arbeitsplätze und |