Ziele

Verein

Termine

Archiv

Kontakt



Presseschau



Wirtschaftslage Mittelstand, Frühjahr 2001
Getrübte Konjunkturerwartungen( Volltext)

Nach den positiven Aussagen des Mittelstandes zur Konjunktur im Frühjahr 2000 zeigen die aktuellen Werte wieder nach unten. So gingen die guten Noten bei der Bewertung der Auftragslage um 3 Prozentpunkte auf 35 Prozent zurück. Gleichzeitig verteilten mehr Unternehmer schlechte Noten (2001: 16,7 Prozent; 2000: 12,4 Prozent). Die gedämpfte Stimmung betrifft Ost- und Westdeutschland gleichermaßen - bleibt aber auf einem unterschiedlichen Niveau. So erteilten im Westen noch 39 Prozent der Betriebe ihrer Ordersituation gute und sehr gute Noten (2000: 41,4 Prozent), im Osten sind es 24,5 Prozent (28,9 Prozent). Mangelhaft und ungenügend nennen in den westlichen Landesteilen 11,5 Prozent die Auftragslage (2000: 7,8 Prozent), in den östlichen Landesteilen 30,5 Prozent (Vorjahr 24,8 Prozent). Während im Großhandel und Verarbeitenden Gewerbe mehr gute Noten als im Frühjahr 2000 verteilt wurden - die positive Stimmung lässt sich sicherlich auf die gute Exportsituation zurückführen - verzeichnet neben dem Baugewerbe auch der Dienstleistungssektor einen deutlichen Rückgang positiver Aussagen (Bau: minus 12,7 Prozentpunkte; Dienstleistung: minus 10,4 Prozentpunkte).

Der Text wurde von der Creditreform Berlin zur Verfügung gestellt


Wirtschaftslage Handwerk, Frühjahr 2001
Dunkle Wolken am Konjunkturhimmel (Volltext)

Zwei Entwicklungen kennzeichnen die negativen Konjunktureinschätzungen im deutschen Handwerk: die andauernde Krise am Bau sowie die schwierige Wirtschaftslage in Ostdeutschland. Allerdings fällt auch in Westdeutschland die Einschätzung der aktuellen Situation dürftiger als im Vorjahr aus. Die insgesamt gute Gesamtkonjunktur dank des Exportbooms hat sich - wenn überhaupt - nur wenig beim Handwerk niedergeschlagen.

Der Text wurde von der Creditreform Berlin zur Verfügung gestellt


Fast die Hälfte aller Pleite-Unternehmen bekommen zweite Chance

Hamburg (dpa) - Nach der Neuordnung des Insolvenzrechts bekommen mehr Pleite-Firmen eine zweite Chance. Nach einer Übersicht der Hamburger Wirtschaftsauskunftei Bürgel wurden im ersten Halbjahr 2000 in Deutschland 5 884 der rund 12 800 beantragten Insolvenzen in ein ordentliches Insolvenzverfahren übergeleitet. Damit stieg die Zahl der eröffneten Verfahren gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 14,7 Prozent. Insgesamt erhielten 47 Prozent der Unternehmen die Möglichkeit zur Sanierung. Zu Zeiten der alten Konkursordnung seien es nur rund 30 Prozent gewesen.

"Die neue Insolvenzordnung hat das Ziel erreicht, mehr Unternehmen die Chance zur Sanierung zu geben", sagte Bürgel-Geschäftsführer Tilman Bettendorf am Mittwoch in Hamburg. "Viele Unternehmen nutzen für einen Insolvenzantrag den frühestmöglichen Zeitpunkt, in dem noch ausreichend Masse vorhanden ist, um ihr Unternehmen und die Arbeitsplätze zu sichern." Bürgel rate Unternehmen dazu, bereits zum Zeitpunkt drohender Zahlungsunfähigkeit den Insolvenzantrag zu stellen. "Wer wartet, bis die Kasse vollständig leer ist, vergibt die Chance auf Rettung seines Unternehmens."
Juli 2000


Zahl der Pleiten in Westeuropa geht weiter zurück

Düsseldorf, 1. Februar 2000 (AFP) - Die Zahl der Pleiten in Westeuropa ist im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Wie der Verband Creditreform am Dienstag in Düsseldorf mitteilte, wurden 1999 in den 15 EU-Staaten sowie der Schweiz und Norwegen noch 182.200 Insolvenzen verzeichnet und damit 4,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Für Deutschland, wo 33.500 Unternehmen in Konkurs gingen, ergab sich demnach ein Rückgang um 1,4 Prozent. Deutlich zu nahm die Zahl der Pleiten dagegen in ásterreich: Mit 8900 zahlungsunfähigen Firmen stieg der Wert um 21,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In allen 17 Staaten gingen durch Unternehmenspleiten im vergangenen Jahr 1,4 Millionen Arbeitsplätze verloren. Der Höhepunkt der Insolvenzwelle in Europa Anfang der neunziger Jahre habe die Wirtschaft aber hinter sich gelassen, betonte Creditreform. Als Hauptgrund für die Zahlungsunfähigkeit nannte der Verband eine zu geringe Eigenkapitaldecke vieler Unternehmen. In Deutschland liege die Quote in vielen Fällen nur zwischen zehn und 20 Prozent. Damit wiesen vor allem mittelständische Betriebe "nur wenig Stabilität" auf. Sie sind daher in schwierigen Zeiten stark von ihren Kreditgebern abhängig. Gerade für kleinere Unternehmen wirke sich auch die schlechte Zahlungsmoral vieler Kunden aus. Durch Verzögerungen bei mehreren oder größeren Kunden könnten diese Firmen schnell in Zahlungsschwierigkeiten kommen.

Der vollständige Text der Presseerklärung "Insolvenzen in Europa 1999/2000" liegt vor.
Zu "
Unternehmensentwicklung 1999, Gipfel der Insolvenzen überschritten" liegt ebenfalls der Text vor.

Der Text wurde von der Creditreform Berlin zur Verfügung gestellt


Landtag Brandenburg Drucksache 3/236
3. Wahlperiode
Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage 32
der Abgeordneten Birgit Fechner
Fraktion der DVU
Drucksache 3/59

Insolvenzverfahren im Land Brandenburg

Wortlaut der Kleinen Anfrage 32 vom 26. Oktober 1999

Ich frage die Landesregierung:

1. Wie viele Insolvenzverfahren wurden im Lande Brandenburg in den Jahren 1991 bis 1999 (Stand: 30.09.1999) durchgeführt (bitte detaillierte Aufschlüsselung)?

2. Wie viele der unter 1. genannten Insolvenzverfahren wurden mangels Masse abgelehnt (bitte detaillierte Aufschlüsselung)?

3. Wie viele der unter 1. genannten Insolvenzverfahren entstanden aufgrund von offenen Forderungen gegenüber bzw. aufgrund der schlechten Zahlungsmoral von anderen Schuldnern?

4. Welche Gesamtschuldsummen blieben in den Jahren 1991 bis 1999 (Stand: 30.09.1999) nach Abschluß der unter 1. genannten Insolvenzverfahren bestehen (bitte detaillierte Aufschlüsselung)?

5. Was will die Landesregierung gegen die sich verschlechternde Zahlungsmoral von öffentlichen und privaten Auftraggebern in Brandenburg unternehmen?

Datum des Eingangs: 29.11.1999 / Ausgegeben: 06.12.1999

Namens der Landesregierung beantwortet der Minister der Justiz und für Europaangelegenheiten die Kleine Anfrage wie folgt:

Zu Frage 1 und 2:

Jahr

Gesamtvollstreckungs- /
Insolvenzverfahren

davon Eröffnung mangels
Masse abgelehnt

1991

.62

. 10

1992

128

. 42

1993

366

192

1994

806

491

1995

1101

672

1996

1399

931

1997

1425

973

1998

1598

1097

1999

1164

810

(Stand bis zum 30. September 1999)

Zu Frage 3:
Insoweit liegen keine Daten vor. Welcher - ohnehin nur auf Grund einer betriebswirtschaftlichen Analyse ermittelbare - wirtschaftliche Grund Ursache für eine Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit ist, wird statistisch nicht erfasst.

Zu Frage 4:
Eine Statistik der nach Durchführung der Insolvenz-/Gesamtvollstreckungsverfahren weiterhin offenen Forderungen wird für das Land Brandenburg nicht geführt.

Zu Frage 5:
Nach Ansicht der Landesregierung bedarf es zur Verbesserung der Zahlungsmoral einer bundesgesetzlichen Regelung, durch die die Rechtsstellung des Gläubigers gestärkt wird. Für die Landesregierung hat das Ministerium der Justiz und für Europangelegenheiten aktiv in einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe mitgewirkt, die Gesetzesvorschläge erarbeitet hat. Diese Vorschläge werden voraussichtlich in die bereits laufenden Beratungen des Deutschen Bundestages einfließen.

 



5.3.99

Insolvenzrecht: Nur wenige Schuldner nutzen den letzten Rettungsanker
Richter und Anwälte kritisieren Gesetzeslücken und stellen Unsicherheiten bei Verbauchern fest

Berlin (se). Zwei Monate, nachdem die neue Insolvenzornung in Kraft getreten ist, haben Richter und Anwälte erhebliche Anlaufschwirigkeiten festgestellt. Der erwartete Andrang von überschuldeten Kleinunternehmen und privaten Schuldnern, die einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren stellen, ist bisher ausgeblieben. Gründe für diese Zurückhaltung gibt es nach Ansicht von Vertretern des Berlin/Brandenburger Arbeitskreises für insolvenzrecht viele. Vor allem die Unsicherheit, was den Schuldner im Insolvenzverfahren erwartet, halte viele überschuldete Verbaucher von diesem Schritt ab. Obwohl das Gesetz sie vor einem Konkurs bewahren und einen wirtschaftlichen Neuanfang bieten könnte.

Seit dem ersten Januar haben kleine Unternehmen und private Verbraucher die Möglichkeit per Insolvenzverfahren sieben Jahre lang Zeit, ihren Schuldenberg abzutragen. Danach werden sie von der Restschuld befreit. Insgesamt 50 Schuldner haben in Berlin bisher einen Antrag auf ein solches Verfahren gestellt, in Potsdam waren es bis Februar nur sechs Antragsteller. Voraussetzung für einen Antrag beim Gericht ist der Gang zur Schuldnerberatung. Dort wird zunächst eine außergerichtliche Einigung angestrebt. Dazu erstellen Berater und Schuldner einen Schuldenbereinigungsplan, in dem ein anteiliger oder vollständiger Erlaß der Schulden enthalten sein kann. Denkbar wäre auch die Forderung an die Gläubiger, Zinsen zu senken oder zu erlassen oder Ratenzahlung anzubieten.

"Dabei kommen auf den Schuldner meist erhebliche Kopier- und Portokosten zu, die viele nicht mehr zahlen können", gibt Thorsten Graeber, Richter am Amtsgericht Potsdam und Mitglied des Arbeitskreises Insolvenzrecht zu bedenken. Es seien auch Schuldner dabei, die ihren Plan nur einem großen Gläubiger vorlegen. "Lehnt dieser ab, brauchen sie es bei den anderen nicht mehr zu versuchen, denn die Voraussetzung für eine außergerichtliche Einigung ist das Einverständnis aller Gläubiger", sagte Kurt Rautenberg, Richter am Amtsgericht Charlottenburg.

Können sich Gläubiger und Schuldner außergerichtlich nicht einigen, wird der Schuldenbereinigungsplan an das Gericht weitergereicht und ein Insolvenzverfahren eröffnet. Auch hier klaffe eine Gesetzeslücke, sagt Graeber. Denn zur Eröffnung eines solchen Verfahrens kämen Prozeßkosten auf den Antragsteller zu. "Man muß mit 3000 bis 5000 Mark rechnen, damit das Verfahren überhaupt eröffnet werden kann", sagte der Richter. Kaum ein Schuldner könne diese Kosten übernehmen. "Eine gesetzliche Regelung zu Prozeßkostenhilfe gibt es bisher nicht", sagt Graeber.


Wiesbaden (dpa) - Die Pleitewelle in Deutschland ist im vergangenen Jahr abgeebbt. Mit einem Anstieg von 1,7 Prozent auf 33 977 Insolvenzen sei der Anstieg deutlich geringer ausgefallen als in den beiden Vorjahren mit Zuwachsraten von 6,1 (1997) und 7,6 (1998) Prozent, berichtete das zentrale deutsche Statistikamt in Wiesbaden (Hessen) am Donnerstag.

Die Zahl der Unternehmens-Insolvenzen erhöhte sich um 1,3 Prozent auf 27828. Die voraussichtlichen Forderungen von mehr als 39 Milliarden DM lagen um 2,0 Prozent über dem Vorjahreswert.

Die Zahlen entwickelten sich in Westdeutschland günstiger als im neuen. Im Westen führten Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung im vergangenen Jahr nach der Statistik zu 24 432 Insolvenz-Anträgen (plus 0,9 Prozent). Im Osten summierte sich die Gesamtzahl der Insolvenzen auf 9 545 (plus 3,9 Prozent). Im Westen zählten die Statistiker 19 213 Unternehmens-Insolvenzen, was sogar einem Rückgang um 0,7 Prozent entspricht. Im Osten stieg die Zahl der zahlungsunfähig gewordenen Unternehmen dagegen um 6,0 Prozent auf 8 615.
©dpa



Nr. 238 / 9.12.1998

Umsetzungsprobleme bei der Insolvenzreform

Kritik an der zum 1. Januar 1999 in Kraft tretenden Insolvenzordnung hat der Berlin-Brandenburger Arbeitskreis für Insolvenzrecht geübt. Der Ansatz sei richtig, die Umsetzung jedoch weiter kritikwürdig, wurde am Dienstag in Berlin betont. Zu viele Stolpersteine und hohe bürokratische Hürden ließen befürchten, daß die Ergebnisse der begrüßenswerten Reform hinter den Erwartungen zurückbleiben. Das Gesetz hat zum Ziel, bei konkursbedrohten Unternehmen eine Sanierung zu betreiben, sowie nicht berechtigte Gläubiger bei Konkursen gerechter zu befriedigen. Auch private Schuldner könnten eine Restschuldbefreiung durch einen "Verbraucherkonkurs" erreichen. (adn)


9.12.1998

Juristen machen nur wenig Hoffnung:
Sieben bittere Jahre für die Schuldner
Zu hohe Erwartungen an Schuldenbereinigung / Berater appellieren an Einsicht der Gläubiger
Hans Toeppen

Berlin. Eine ganz besondere Spezies Mensch erhält dieser Tage freundliche Briefe. "Sehr geehrte Damen und Herren" schreibt die Schuldnerberatungsstelle Julateg an alle Gläubiger des Landes, mit denen sie zu tun bekommt. Gläubiger, das sind Menschen (und juristische Personen), bei denen andere Menschen Schulden haben. Julateg will sie auf das neue Insolvenzrecht aufmerksam machen, das 1999 in Kraft tritt. Die Schuldnerberater wollen sie von den Vorteilen auch für Gläubiger überzeugen. Denn gerade große Firmen zeigten bisher wenig Bereitschaft, sich mit außergerichtlichen Vergleichen zu beschäftigen, sagt Julateg-Geschäftsführer Wolfgang Münzner.

"Die Perspektive auf Schuldenfreiheit in überschaubarer Zeit (5 oder 7 Jahre) kann hohe Energien freisetzen. Die Motivation für den redlichen Schuldner, die Schuldenregulierung aktiv in Angriff zu nehmen und auch durchzuhalten, wird zweifelsfrei anwachsen," schreibt Julateg. "Daher schafft Ihnen dieses Gesetz auch als Gläubiger neue klare Perspektiven, weil der Schuldner zu einer kontinuierlichen Leistung motiviert wird."

140 000 bis 150 000 Haushalte in Berlin gelten als überschuldet. In ganz Deutschland können es zwei Millionen sein. Und jährlich gibt es über 25 000 Unternehmens-Insolvenzen. Deshalb hat die neue Insolvenzordnung zwei Zielgruppen. Kriselnde, von Zahlungsunfähigkeit bedrohte Firmen können sich künftig von den Gläubigern unter den Schutz des Insolvenzgerichtes begeben und Zeit für eine Sanierung gewinnen. Grundsätzlich hofft der Gesetzgeber auf mehr Insolvenz ("Konkurs")-Verfahren und weniger Firmenzusammenbrüche. Zweite Zielgruppe sind zahlungsunfähige Verbraucher. Das Wort "Verbraucherkonkurs" ist längst berühmt geworden. Es hat aber auch völlig unberechtigte Hoffnungen auf schnelle Streichung von Schulden geweckt. Denn vor die Tilgung hat der Bundestag eine lange Wartezeit gesetzt, und sie ist mit Dornen gespickt. Im außergerichtlichen Vorverfahren soll der Schuldner zunächst mit Hilfe von Beratungsstellen oder Anwälten versuchen, sich mit allen seinen Gläubigern zu einigen. Scheitert dies, wird noch einmal, diesmal unter gerichtlicher Aufsicht, mit einem Schuldenbereinigungsplan eine Regulierung versucht. Einzelne Gläubiger können dabei sogar von anderen überstimmt werden.

Kommt auch jetzt keine Einigung zustande, wird im vereinfachten Insolvenzverfahren, so weit möglich, das Vermögen des Schuldners verwertet. Erst dann tritt das Wort auf den Plan, auf das so viele Schuldner ihre Hoffnung setzen: Das gerichtliche Restschuldbefreiungsverfahren. Sieben Jahre lang muß der Schuldengebeutelte seine pfändbaren Einkünfte an einen Treuhänder abführen. Dieser verteilt sie nach bestimmten Quoten an alle Gläubiger. Erst wenn der Schuldner diese "Wohlverhaltensperiode" heil überstanden hat, ist er die Last der Verpflichtungen los.

"Die meisten werden es nicht schaffen, weil die Anforderungen zu hoch sind", sagte gestern der Potsdamer Amtsrichter Thorsten Graeber. Er ist Vorsitzender des Berlin/Brandenburger Arbeitskreises für Insolvenzrecht, der sich seit dem Frühjahr bemüht, Gläubiger und Behörden an einen Tisch zu bekommen. Vor der Presse warnten gestern auch mehrere Rechtsanwälte vor übertriebenen Hoffnungen auf die "Restschuldbefreiung". Man könnte nur abwarten, ob die Schuldner überhaupt bereit und fähig seien, mindestens sieben Jahre durchzuhalten. Den heißesten Punkt dabei hat der Gesetzgeber offenbar vergessen oder ausgeklammert: Ob es für das gerichtliche Vefahren Prozeßkostenhilfe gibt. Jeder Richter kann dies nun unterschiedlich entscheiden. Graeber sieht schon "Schulden-Tourismus" zu einzelnen Gerichten voraus.



9.12.1998

Schuldentourismus und Kostenlawine
Das ab 1. Januar geltende neue Insolvenzrecht hat viele Schwächen - mehr Verfahrenseröffnungen

BM/muh Berlin - Alle 20 Minuten meldet ein Betrieb in Deutschland Konkurs oder Gesamtvollstreckung an. Und alle 50 Sekunden leistet ein Mensch den Offenbarungseid. "Dabei gehen viele Leute psychisch und physisch kaputt", sagt Volkmar Strauch, Vize des Arbeitskreises für Insolvenzrecht, der sich bemüht, die ab 1. Januar 1999 geltende neue Insolvenzordnung (InsO) öffentlich bekannt zu machen. Die InsO wird für Unternehmen und Privatleute in finanziellen Krisen Veränderungen bringen. Bisher seien die Auswirkungen jedoch schwer abschätzbar, heißt es beim Arbeitskreis.

Bei Firmen soll die Sanierung im Vordergrund stehen und nicht wie bisher die Zerschlagung. Nach amerikanischem Vorbild wird ein Insolvenzplan eingeführt. Er soll vor allem Gläubigerrechte stärken. "Das neue Recht ist viel zu langwierig und teuer", sagt Rechtsanwalt und Vereinsmitglied Rolf Rattunde. Das neue vierstufige Entschuldungsverfahren für Private würde acht bis zehn Jahre dauern. Zudem würden bundesweit 3000 zusätzliche Justizangestellte benötigt. "Allerdings, könnte es, anders als bisher, bei etwa der Hälfte aller Anträge zur Eröffnung eines Verfahrens kommen", schätzt Rattunde. Das sei der einzige Vorteil. 1997 und 1998 stellten Privatleute und Unternehmen in Berlin jeweils 5000 Konkursanträge. Aber nur 500 Verfahren seien eröffnet worden. Der Rest wurde mangels Masse eingestellt.

Außerdem trifft die neue InsO keine Vereinbarungen zur Prozeßkostenhilfe -gerade bei hochverschuldeten Privatleuten eine Hürde für die gerichtliche Restschuldbefreiung. Letztlich entscheiden die jeweiligen Richter im Einzelverfahren über die Gewährung von Prozeßkostenhilfe. "Dadurch könnten auf die Länder Belastungen bis zu fünf Milliarden DM zukommen", sagt Thorsten Graeber, Vorsitzender des Arbeitskreises. "Außerdem wird es so etwas wie Schuldentourismus geben. Gewitzte Schuldner werden sich an ein Gericht wenden, an dem die Richter großzügig Beihilfen gewähren."




Nr.50 / 3.Dezember 1998

Innerhalb von nur acht Jahren hat sich die Zahl der deutschen
Unternehmen, die ein Konkurs- oder Vergleichsverfahren bean-
tragen mußten, mehr als verdreifacht. Besonders betroffen war das
Baugewerbe: In den alten Ländern stellte die Branche 1997 knapp
ein Viertel aller insolventen Unternehmen, in den neuen Ländern
sogar 39 Prozent. nur 13 Prozent der Konkurse in West- und 12

Prozent in Ostdeutschland entfielen hingegen auf das verarbeiten-
de Gewerbe. Besonders gefährdet sind offenbar Firmen, die als
GmbH eingetragen sind - etwa 60 Prozent der Insolvenzen entfie-
len auf diese Rechtsform. Die höchste Quote von zahlungsunfähi-
gen Firmen verzeichnete Sachsen mit 211, die niedrigste
Baden- Württemberg mit 63 Insolvenzen je 10000 Unternehmen.



Zunahme der Pleiten in Deutschland schwächt sich ab

Wiesbaden/Bonn, 3. September (AFP) - Die Zunahme der Pleiten in Deutschland hat sich im ersten Halbjahr deutlich abgeschwächt. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte, mußten in den ersten sechs Monaten des Jahres 17.075 Unternehmen und Privatpersonen Konkurs anmelden. Dies sind zwar 2,9 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum, der Zuwschs liegt aber klar unter den Steigerungsraten der vergangenen Jahre. Für das Gesamtjahr 1997 war eine Zunahme um 7,6 Prozent, für 1996 sogar ein Zuwachs um 14,3 Prozent verzeichnet worden. Bundeswirtschaftminister Günter Rexrodt (FDP) wertete die Zahlen als Beleg für eine Trendwende, durch die auch Existenzgründungen einen zusätzlichen Schub erhielten. "In Deutschland herrscht Gründerzeit", erklärte der Minister in Bonn.
Besonders günstig war die Insolvenzstatistik laut Wiesbadener Bundesamt im Mai und im Juni. Die Pleitezahlen lagen beispielsweise im Juni rund 17 Prozent niedriger als im Juni 1997. Trotz der leicht gestiegenen Insolvenzzahlen im ersten Halbjahr lag die Summe der offenen Forderungen mit 19,4 Milliarden Mark gut zwei Milliarden Mark unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Im früheren Bundesgebiet seien in den ersten sechs Monaten 12.205 Konkurse und damit 1,8 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 1997 registriert worden. In den neuen Ländern habe die Zahl der Pleiten bei 4870 gelegen, 5,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Konkurse in Deutschland ist seit 1992 beständig gestiegen, zum Teil mit zweistelligen Zuwachsraten.

© AFP



Pleitewelle in Deutschland deutlich verstärkt
Neuer Negativrekord für dieses Jahr zu befürchten

Wiesbaden, 10. Juli (AFP) - Die seit 1992 andauernde Pleitewelle in Deutschland hat sich zu Jahresbeginn noch einmal verstärkt. Von Januar bis April mußten 11.607 Unternehmen und Privatmenschen den Gang zum Konkursgericht antreten, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Dies waren 9,4 Prozent mehr als im Vergleichzeitraum des Vorjahres. In Ostdeutschland war die Lage nach wie vor düsterer als im Westen. Während die Insolvenzen größerer Unternehmen nur unwesentlich zunahmen, kamen den Angaben zufolge zunehmend Einzelkaufleute, Kleingewerbetreibende und Privathaushalte in Bedrängnis.
Von Januar bis April dieses Jahres mußten 9488 Unternehmen Konkurs anmelden. Dies entspricht einer Steigerungsrate von 9,7 Prozent im Vergleich zu den ersten vier Monaten 1997. Für April wurden den deutschen Gerichten 2930 Insolvenzen, darunter 2426 von Unternehmen gemeldet. Dies sind 7,4 Prozentoder 8,6 Prozent mehr als im April 1997. In Ostdeutschland liegen die Steigerungsraten deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Von Januar bis April erhöhte sich die Zahl der gesamten Insolvenzen um 15,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die darin enthaltenen Unternehmenszusammenbrüche nahmen um 18,1 Prozent zu. Die entsprechenden Steigerungsraten für Westdeutschland liegen bei 7,1 und 6,3 Prozent.
Neben Unternehmenspleiten erfaßt die Konkursstatistik Insolvenzen der sogenannten übrigen Gemeinschuldner, worunter natürliche Personen und Nachlaßkonkurse zusammengefaßt sind. Nach der Entwicklung der ersten Monate ist auch in diesem Jahr mit einem neuen Pleitenrekord zu rechnen, nachdem die Zahl der Insolvenzen bereits in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen hat.
Im gesamten vergangenen Jahr wurden 33.410 Pleiten gemeldet, was ein neuer Negativrekord war. Die Zahl der Pleiten stieg um insgesamt 6,2 Prozent, was immerhin die niedrigste Zuwachsrate seit 1992 war. Seit 1992 stieg die Zahl der Konkurse in Deutschland beständig, zum Teil mit zweistelligen Zuwachsraten.

© AFP



Zahl der Konkurse in Westdeutschland im Februar rückläufig
Pleitewelle im Osten läßt gesamtdeutsche Zahl aber steigen

Wiesbaden, 7. Mai (AFP) - Die Zahl der Konkurse hat im Februar in Westdeutschland abgenommen, ist wegen der anhaltenden Pleitewelle im Osten gesamtdeutsch aber weiter angestiegen. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte, wurden im Feburar in Deuschland 2785 Insolvenzen verzeichnet, 0,8 Prozent mehr als im Februar 1997. 6,9 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Zahl der reinen Unternehmenszusammenbrüche betrug im Februar 2264 und seit Jahresbeginn 4484.
Die Entwicklung fiel in Ost und West sehr unterschiedlich aus. Während die Gesamtzahl der Konkurse in Westdeutschland im Februar mit 2018 um 3,9 Prozent unter dem Vorjahreswert lag und die der Unternehmenszusammenbrüche mit 1567 sogar um 4,7 Prozent niedriger, setzte sich der Anstieg der Insolvenzen in den neuen Bundesländern mit zweistelligen Zuwachsraten fort. Insgesamt wurden im Berichtsmonat in Ostdeutschland 767 Antäge auf Gesamtvollstreckung gestellt, 15,9 Prozent mehr als im Februar 1997. 688 betrafen Unternehmen, 17,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Seit Jahresbeginn wurden in Ostdeutschland 1563 Konkurse, darunter 1348 Unternehmenszusammenbrüche, verzeichnet, 19,2 Prozent beziehungsweise 16,6 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

© AFP




vom 22.3.98, S. 22:

Arbeitskreis für Insolvenzrecht gegründet

Berlin (ADN). Ein Arbeitskreis für Insol-
venzrecht ist in Berlin Brandenburg ge-
gründet worden. Anliegen ist, die Abwick-
lung von Konkursen vor allem in den neu-
en Bundesländern effektiver zu gestalten,
wie die Vereinigung am Sonnabend mit-
teilte. Angesichts einer "beängstigend ho-
hen Zahl" von Insolvenzen müsse alles ge-
tan werden, um die Zusammenarbeit aller
Beteiligten zu erleichtern, betonte der
Gründungsvorsitzende Thorsten Graeber
vom Potsdamer Amtsgericht. Nur so kön-

ne erreicht werden, daß Arbeitsplätze und
Betriebe wenigstens zum Teil erhalten
werden könnten. Bisher herrschte zwi-
schen den einzelnen Gläubigergruppen
"arbeitsvernichtender Leerlauf". Ziel
der neu gegründeten Vereinigung sei es,
insbesondere die Gläubigergruppen der
Gewerkschaften, Sozialversicherungsträ-
ger, Finanzämter, Kreditinstitute, aber
auch Lieferanten und Arbeitsämter regel-
mäßig an inen "runden Tisch" zu bekom-
men.