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Wirtschaftslage Mittelstand, Frühjahr 2001
Getrübte Konjunkturerwartungen

Nach den positiven Aussagen des Mittelstandes zur Konjunktur im Frühjahr 2000 zeigen die aktuellen Werte wieder nach unten. So gingen die guten Noten bei der Bewertung der Auftragslage um 3 Prozentpunkte auf 35 Prozent zurück. Gleichzeitig verteilten mehr Unternehmer schlechte Noten (2001: 16,7 Prozent; 2000: 12,4 Prozent). Die gedämpfte Stimmung betrifft Ost- und Westdeutschland gleichermaßen - bleibt aber auf einem unterschiedlichen Niveau. So erteilten im Westen noch 39 Prozent der Betriebe ihrer Ordersituation gute und sehr gute Noten (2000: 41,4 Prozent), im Osten sind es 24,5 Prozent (28,9 Prozent). Mangelhaft und ungenügend nennen in den westlichen Landesteilen 11,5 Prozent die Auftragslage (2000: 7,8 Prozent), in den östlichen Landesteilen 30,5 Prozent (Vorjahr 24,8 Prozent). Während im Großhandel und Verarbeitenden Gewerbe mehr gute Noten als im Frühjahr 2000 verteilt wurden - die positive Stimmung lässt sich sicherlich auf die gute Exportsituation zurückführen - verzeichnet neben dem Baugewerbe auch der Dienstleistungssektor einen deutlichen Rückgang positiver Aussagen (Bau: minus 12,7 Prozentpunkte; Dienstleistung: minus 10,4 Prozentpunkte).

Umsatzeinbrüche trotz steigender Preise

Im Zuge der Preissteigerungen bei den Erzeuger- und Energiepreisen haben mittelständische Unternehmen im vergangenen Jahr verstärkt ihre Angebotspreise angehoben. Höhere Preise verlangten 18,7 Prozent der 5.000 befragten Betriebe - im Vorjahr hatten 16,7 Prozent die Preisspirale nach oben bewegt. Einen erkennbaren Effekt auf die Umsätze haben die Angebotspreise nicht hinterlassen. Gestiegene Umsätze konnten 27,2 Prozent der Unternehmer verbuchen - binnen Jahresfrist ein minimaler Rückgang um 0,4 Prozentpunkte. Deutlich zugenommen hat dagegen der Anteil mittelständischer Firmen mit Umsatzeinbußen von 29,7 Prozent im Vorjahr stieg er auf 35,7 Prozent im Frühjahr 2001. Ein positives Signal setzt hier Ostdeutschland: Steigende Umsätze verzeichnen 19,4 Prozent im Mittelstand (2000: 14,8 Prozent). In Westdeutschland ist dieser Anteil auf 30,1 Prozent zurückgegangen (Vorjahr: 32,3 Prozent).

Schlechte Vorgaben schrecken den Mittelstand

Die guten Konjunkturprognosen des Vorjahres werden in kleinen Schritten nach unten korrigiert. Diesem Trend schließt sich nun auch der Mittelstand in Deutschland an. So rechnen in den kommenden Monaten 38,4 Prozent der Befragten mit steigenden Umsätzen - im Frühjahr 2000 hofften noch 45 Prozent auf ein Umsatzwachstum. Gleichzeitig ist die Fraktion der Umsatzpessimisten auf 21,7 Prozent angewachsen (2000: 13,1 Prozent). Die Veränderungen betreffen alle Wirtschaftsbereiche - auch im Dienstleistungssektor sank die Zahl der Optimisten auf 44,1 Prozent (Vorjahr 51 Prozent). Allerdings ergibt sich für den Bau ein negativer Saldo von 7,4 Prozent zwischen positiven und negativen Erwartungen.

Personalbestand noch positiv

Wie wird sich die "Jobmaschine" Mittelstand in den nächsten Monaten entwickeln? Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Firmen, die ihren Personalbestand vergrößern wollen, von 20,5 Prozent auf 18,1 Prozent zurückgegangen. Damit planen auch wieder mehr mittelständische Unternehmen, Arbeitsplätze zu streichen (2001: 15,2 Prozent; 2000: 11,7 Prozent). Unter dem Strich bleibt es aber noch bei einem leicht positiven Saldo. Den stärksten Drang zur Schaffung neuer Arbeitsplätze entwickelt der Dienstleistungsbereich - jeder vierte Betrieb plant in den kommenden Monaten Personaleinstellungen. Demgegenüber avisieren hier nur 11,9 Prozent die Freisetzung von Arbeitskräften (Vorjahr: 5,8 Prozent). Wenig Veränderungen verzeichnet der Handel.

Bei den Ertragsaussichten ist der Rückgang der Unternehmen mit steigenden Gewinnerwartungen nicht so deutlich wie bei den Umsatzerwartungen. So hoffen noch 29 Prozent der Befragten auf höhere Erträge - im Frühjahr 2000 waren es noch 33,7 Prozent. Um 9,1 Prozentpunkte ist dagegen die Zahl der "Gewinnpessimisten" auf aktuell 29,1 Prozent gestiegen. Die Aussicht auf die künftige Ertragslage hat sowohl in den alten wie in den neuen Bundesländern eine negativen Entwicklung genommen. In Westdeutschland rechnen 32,3 Prozent der befragten Betriebe mit höheren Erträgen (2000:37,3), in Ostdeutschland sind es 20,2 Prozent (23,7 Prozent).

Mittelstand weniger investitionsbereit

Stark zurückgegangen ist die Gruppe investitionsbereiter Unternehmen. Zum ersten Mal seit Mitte der Neunziger ist der Anteil der investitionsunwilligen Unternehmen größer als die Zahl der investitionsbereiten Betriebe. Planten im Vorjahr noch 62,5 Prozent Investitionen, so liegt der Anteil aktuell bei 47,7 Prozent. Im gleichen Zeitraum wuchs die Gruppe der Betriebe, die keine Investitionen tätigen wollen, auf 51,6 Prozent (2000: 36,8 Prozent). Im Vordergrund stehen bei den investitionsbereiten Unternehmen Ersatzinvestitionen (56,2 Prozent), gefolgt von Erweiterungsinvestitionen (51,3 Prozent). Am Ende der Liste stehen Rationalisierungsmaßnahmen mit 32,2 Prozent.

Gesetz zum Zahlungsverzug ohne Wirkung

Das seit einem Jahr gültige Gesetz zum Zahlungsverzug hat sich in der Realität als zahnloser Tiger erwiesen. Fast 90 Prozent der Befragten konnten keine Änderungen beim Zahlungsverhalten ihrer Kunden feststellen. Die Bewertung des Zahlungsverhaltens schwankt zwischen den einzelnen Hauptwirtschaftsbereichen. So verteilten im Bau- und Dienstleistungsgewerbe binnen Jahresfrist mehr Betriebe gute Noten (Bau: plus 3,3 Prozentpunkte; Dienstleistung: plus 2,6 Prozentpunkte). Demgegenüber geben Verarbeitendes Gewerbe und Handel weniger gute Beurteilungen (Handel: 3,4 Prozentpunkte; Verarbeitendes Gewerbe: 2,6 Prozentpunkte).

Die Eigenkapitalsituation im Mittelstand hat sich verschlechtert. Der Anteil der Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote unter 10 Prozent ist um 3 Prozentpunkte auf 39,4 Prozent gestiegen. Über eine hohe Eigenkapitalunterlegung über 30 Prozent verfügen nur noch 14,6 Prozent (2000: 18,3 Prozent). Gerade im Hinblick auf die Diskussionen über die neuen Regeln zu Eigenkapitalunterlegung der Banken bei der Kreditvergabe - kurz Basel II - kommt der Unternehmensfinanzierung der Kreditnehmer eine besondere Rolle zu. Nur wer in internen oder externen Ratings eine gute Bonität zeigt, erhält günstige Finanzierungen. Die Bonität des Kreditnehmers aber wird stark von der Eigenkapitalquote abhängen.

Im vergangenen Jahr wurde mit 40.400 Fällen ein neuer Höchststand bei den Insolvenzen erreicht. Geprägt ist diese Entwicklung von dem starken Anstieg im Bereich der Privatinsolvenzen (2000: 9.000, 1999: 2.450). Die Unternehmensinsolvenzen haben in Westdeutschland um 5 Prozent auf 20.000 Fälle zugenommen. In Ostdeutschland ist die Situation leicht rückläufig - um 0,9 Prozent sank die Zahl der Firmenzusammenbrüche auf 7.500.

Mittelstand noch nicht eurofit

Der deutsche Mittelstand ist acht Monate vor Einführung des Euro-Bargeldes noch nicht fit für die neue Währung. Nicht einmal jedes zweite Unternehmen hat mit der Umstellung des Zahlungsverkehrs begonnen. Von dieser Gruppe führen 11 Prozent das Rechnungswesen ausschließlich in Euro, 87,7 Prozent rechnen in DM und Euro parallel ab. Die Kosten für die Einführung der Euromünzen und -scheine ist ein Streitpunkt zwischen Verbänden und Politikern. Zusatzkosten bis 5.000 DM erwarten 48,4 Prozent der mittelständischen Betriebe, 24,4 Prozent rechnen mit Kosten in Höhe von maximal 10.000 DM.

Im Zuge der Bargeld-Einführung fürchten 31,2 Prozent, dass durch ausländische Anbieter der Konkurrenzdruck verschärft wird. Die Vereinfachung ausländischer Geschäftsbeziehungen durch ein einheitliches Rechnungswesen über die Landesgrenzen hinweg bewerten 20,8 Prozent positiv. Die Ausdehnung eigener Geschäfte planen 11,1 Prozent der befragten Unternehmer. Fast ein Drittel des Mittelstandes ist überzeugt, dass die Euroumstellung keine Auswirkungen auf ihr Unternehmen hat.

Kaum Zustimmung für Betriebsverfassungsgesetz

Der Gesetzentwurf der Bundesregierung zu einer Reform der Betriebsverfassung stößt im deutschen Mittelstand auf Ablehnung. Im Zuge der geplanten Änderungen erwarten fast 60 Prozent, dass wichtige Entscheidungen durch mehr Bürokratie in den Betrieben hinausgezögert werden. Zusätzliche finanzielle Kosten durch eine größere Anzahl freigestellter Betriebsräte oder einen neu gewählten Betriebsrat sehen 32,8 Prozent als Folge der neuen betrieblichen Mitbestimmung. Positive Auswirkungen, wie höhere Mitarbeitermotivation, sehen dagegen nur wenige Befragte.

Für die Zukunft der betrieblichen Mitbestimmung setzt der Mittelstand auf flexiblere Regeln, die individuell auf die Unternehmen und deren jeweilige Situation abgestimmt werden (56,2 Prozent). Fast ein Viertel der mittelständischen Unternehmen hofft, dass die Vorschläge nicht in die Realität umgesetzt werden.

Neuss, 25. April 2001