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Wirtschaftslage Handwerk, Frühjahr 2001

Dunkle Wolken am Konjunkturhimmel

Zwei Entwicklungen kennzeichnen die negativen Konjunktureinschätzungen im deutschen Handwerk: die andauernde Krise am Bau sowie die schwierige Wirtschaftslage in Ostdeutschland. Allerdings fällt auch in Westdeutschland die Einschätzung der aktuellen Situation dürftiger als im Vorjahr aus. Die insgesamt gute Gesamtkonjunktur dank des Exportbooms hat sich - wenn überhaupt - nur wenig beim Handwerk niedergeschlagen.

Tiefe Einbrüche in Westdeutschland

Das derzeitige Geschäftsklima wird von den Handwerkern zurückhaltender bewertet. Nur noch 29,5 Prozent schätzen die Geschäftslage mit gut beziehungsweise sehr gut ein - gegenüber 2000 ein Rückgang um 4 Prozentpunkte. Gleichzeitig stieg der Anteil schlechter Bewertungen binnen Jahresfrist auf 22,5 Prozent (2000: 18,4 Prozent). In Westdeutschland schätzen 17,0 Prozent der befragten Handwerker die Geschäftslage als mangelhaft oder ungenügend ein (Vorjahr: 13,2 Prozent), im Osten sprechen 36,5 Prozent der Unternehmer von einer schlechten Geschäftlage - im Vorjahr waren es nur 27,2 Prozent. Während die Lage im Baugewerbe - insbesondere beim ostdeutschen Bausektor - immer noch schwierig bleibt, entwickeln sich die Bereiche Nahrungsmittel und Textil/Bekleidung/Leder gegen den Trend. Die guten Noten konnten binnen Jahresfrist deutlich zulegen (Nahrungsmittel: plus 3,8 Prozentpunkte, Textil/Bekleidung/Leder: plus 14,1 Prozentpunkte).

Desolate Stimmung auf dem Bau

Der konjunkturelle Rückgang zeigt sich auch bei den Umsätzen: So verzeichneten nur 21,8 Prozent im letzten Halbjahr steigende Umsätze - im Vorjahr sprachen noch 30 Prozent der Handwerker von höheren Umsätzen. Der Anteil der Unternehmen mit gesunkenen Umsätzen nahm um 9,3 Prozentpunkte auf 35,2 Prozent zu. Auch hier zeigt sich die schwierige Lage am Bau: Konnten 2000 noch 22,9 Prozent der Handwerksunternehmen steigende Umsätze vorweisen, sind es aktuell nur noch 13,7 Prozent. Fast jeder zweite Betrieb im Baugewerbe musste Umsatzeinbußen hinnehmen - in Ostdeutschland liegt die Zahl mit 59 Prozent sogar deutlich höher.

Negative Entwicklung beim Arbeitsmarkt

Auf dem Arbeitsmarkt hat sich die konjunkturelle Abkühlung ebenfalls negativ ausgewirkt. Verzeichneten im Jahr 2000 noch 20 Prozent der Befragten einen höheren Personalbestand, so sind es nun 15,7 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl der Betriebe, die im abgelaufenen Jahr Personal freisetzen mussten, um 6,1 Prozentpunkte auf 35,7 Prozent. Der negative Saldo nahm wieder auf insgesamt 20 Prozent zu.

Pessimisten auf dem Vormarsch

Beim Blick auf die künftige Entwicklung des Handwerks scheint keine Besserung in Sicht. So ist die Zahl der Unternehmer mit steigenden Umsatzerwartungen auf 23,6 Prozent gesunken (Vorjahr: 29,0 Prozent), bei gleichzeitiger Zunahme der negativen Erwartungen (2001: 28,7 Prozent; 2000: 21,2 Prozent). Eine sprunghafte Verschlechterung verzeichnen die Umsatzerwartungen in Westdeutschland: der Anteil der Handwerker mit positiven Umsatzprognosen nahm um 9,1 Prozentpunkte ab (25,1 Prozent); die Zahl der Pessimisten liegt aktuell bei 25,6 Prozent - im Vorjahr waren es noch 17,7 Prozent. In den neuen Bundesländern rechnen 19,6 Prozent der Befragten mit einer positiven Umsatzentwicklung - binnen Jahresfrist stagniert der Wert fast. Umsatzrückgänge erwarten 36,6 Prozent.

Preissteigerungen als Rettungsanker?

Der Preisdruck (höhere Energiepreise) nimmt auch für das Handwerk zu. So planen 27,7 Prozent der deutschen Handwerker eine Erhöhung der Angebotspreise - im Jahr 2000 waren es nur 17,2 Prozent. Preissenkungen werden wohl 20,6 Prozent der Handwerks-Betriebe vornehmen (2000: 31,6 Prozent).

Trotz steigender Preise rechnen weniger Handwerker in Deutschland mit höheren Erträgen. Während die Zahl der Unternehmer mit positiven Gewinnerwartungen im Jahr 2001 bei 19,6 Prozent liegt (2000: 24,1 Prozent), kalkulieren 34,1 Prozent mit sinkenden Gewinnen (Vorjahr: 27,2 Prozent). Im Osten fürchten sogar 40,6 Prozent unter dem Strich geringere Einnahmen (2000: 34,8 Prozent) - im Westen sind es aktuell 31,5 Prozent (Vorjahr: 22,6 Prozent). Gegen den Negativtrend stemmen sich die Bekleidungsbranche sowie das Nahrungsmittelhandwerk. Beide Bereiche erhoffen zumindest teilweise Zuwächse bei den Gewinnen.

Prekäre Lage am Arbeitsmarkt

Die sinkenden Erwartungen bei den Erträgen und Umsätzen schlagen sich auch bei den Personalplanungen nieder. Der positive Saldo zwischen Einstellung und Entlassung, der im Vorjahr in Westdeutschland noch erreicht worden war, ist wieder ins Negative zurückgefallen: in den alten Bundesländern planen 19,4 Prozent Verkleinerungen, aber nur 11,5 Prozent wollen ihren Personalbestand aufstocken. Problematischer gestaltet sich die Situation in den neuen Bundesländern: 8,8 Prozent der Handwerker planen, Personal einzustellen; 31,3 Prozent dagegen werden den Personalbestand verkleinern. Auch die Bereiche Bekleidung und Nahrungsmittel können sich hier nicht profilieren - trotz positiver Signale bei den Umsätzen und Erträgen.

Abschreibungsfristen hemmen Investitionswillen

Das wirtschaftliche Ost-West-Gefälle wird auch beim Blick auf die Entwicklung der Investitionsbereitschaft sichtbar. Lag 1997 der Anteil investitionsbereiter Betriebe in Westdeutschland bei 44,9 Prozent, planen nun 54,8 Prozent, in ihr Unternehmen zu investieren. Gegensätzlich dazu verläuft die Entwicklung im Osten: Die Quote sank von 50,4 Prozent investitionswilliger Firmen 1997 auf aktuell 40,2 Prozent. Bleibt zu fragen, ob sich hier die Änderungen der Steuerreform mit verlängerten Abschreibefristen niederschlagen.

Bessere Finanzsituation als Lichtblick

Das Zahlungsverhalten bewertet das deutsche Handwerk besser als im vergangenen Jahr. Diese Entwicklung steht sicherlich mit der konjunkturellen Schwäche im Zusammenhang: Wer weniger Aufträge hat, achtet auf eine pünktliche Begleichung der Rechnung. Um 3,2 Prozentpunkte stieg der Anteil guter und sehr guter Bewertungen des Zahlungsverhaltens (2000: 18,4 Prozent; 2001: 21,6 Prozent). Schlechte Noten verteilen in Deutschland 18,1 Prozent der Handwerker (2000: 22,1 Prozent). Die positiven Noten beruhen auf den insgesamt schnelleren Zahlungseingängen, die das Handwerk zu verzeichnen hat. Allerdings beschränkt sich diese Entwicklung auf das Zahlungsverhalten der privaten Kunden. Handwerker, die im öffentlichen Auftrag arbeiten, berichten dagegen über längere Zahlungsfristen. So verbesserte sich beispielsweise die Quote privater Kunden im Baugewerbe, die innerhalb 30 Tagen zahlen, auf 61,4 Prozent (Vorjahr: 48,4 Prozent). Bei den öffentlichen Kunden verschlechterte sich der Anteil von 34,5 Prozent auf aktuell 27,0 Prozent.

Die aktuelle Insolvenzentwicklung findet auch im Handwerk ihren Niederschlag. So stieg im letzten Jahr die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Handwerk um 4 Prozent auf insgesamt 3.100 Insolvenzfälle; dabei nutzt auch mancher Handwerker die Möglichkeit des einfachen "Verbraucherkonkurses" und fällt so aus der Unternehmensstatistik heraus. Im Einklang mit den steigenden Insolvenzzahlen steht auch die Verschlechterung der Eigenkapitalquoten. Die Zahl der unterkapitalisierten Unternehmen mit einem Eigenkapital von weniger als 10 Prozent stagniert deutschlandweit auf Vorjahresniveau (2000: 39,6 Prozent; 2001: 39,1 Prozent). Gleichzeitig sank aber die Quote der kapitalstarken Handwerks-Betriebe mit mehr als 30 Prozent Eigenkapital binnen Jahresfrist um 3,9 Prozentpunkte auf 15,0 Prozent. Es ist zu befürchten, dass sich die Finanzlage der Handwerksbetriebe infolge der Veränderungen am Finanzmarkt durch Basel II noch weiter verschlechtern wird. Auch ein weiteres Ansteigen der Insolvenzfälle ist nicht auszuschließen.

Ausbildungen im Kampf gegen Fachkräftemangel

Nicht nur die High-Tech-Branchen haben Probleme infolge fehlender Fachkräfte. So klagen 42,8 Prozent der deutschen Handwerker über fehlendes Personal mit entsprechenden Fachkenntnissen. Wichtigstes Mittel im Kampf gegen den Fachkräftemangel ist die Ausbildung junger Menschen zu qualifizierten Mitarbeitern (68,4 Prozent). Daneben spielt ein gutes Betriebsklima (60,7 Prozent) sowie die Fortbildung der Angestellten eine wichtige Rolle (51 Prozent), Fachkräfte an den Betrieb zu binden.

Im personalintensiven Handwerk wird jeder dritte Ausbildungsvertrag unterschrieben. So planen insgesamt 62,1 Prozent der Befragten, auch in diesem Jahr wieder eine Lehrstelle zu vergeben. Jeder zehnte Betrieb will sogar die Zahl der Ausbildungsplätze erhöhen. Dem stehen 8,1 Prozent Unternehmen gegenüber, welche die Ausbildungskapazität reduzieren wollen - in Westdeutschland planen 6,7 Prozent eine Verringerung des Angebotes, in Ostdeutschland sind es 12,2 Prozent. Unter dem Strich wird es im Handwerk in diesem Jahr mehr Ausbildungsplätze geben.

Fehlende Sicherheiten behindern Kapitalbeschaffung

Der Beratungsbedarf im Handwerk vor der Unternehmensgründung ist hoch. Vor dem Schritt in die Selbstständigkeit lassen sich über drei Viertel der Befragten beraten. Als wichtigste Ansprechpartner werden neben den Handwerkskammern (74,6 Prozent), Steuerberatern (74,3 Prozent) und Bankinstitute (59 Prozent) genannt. Angebote der DtA oder KfW werden von Jungunternehmern eher selten in Anspruch genommen (DtA: 8,5 Prozent; KfW:5,9 Prozent). Bei der Finanzierung des neuen Unternehmens klagt jeder dritte Existenzgründer über Probleme bei der Beschaffung des Startkapitals. Größtes Hindernis, einen Bankkredit zu erhalten, stellen fehlende Kreditsicherheiten dar (78,2 Prozent). Fehlendes Verständnis für das unternehmerische Konzept führen 63,3 Prozent der Befragten als Hinderungsgrund bei der Kapitalbeschaffung ins Feld.

Neuss, 09. März 2001