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Am 30. April 2003 fand statt
Jubiläumsveranstaltung zum 5-jährigen Bestehen des Vereins
"Corporate Governance -
Ersatz für eine verlorene Wirtschaftsethik?
"

Referent:
Prof. Dr. Wilhelm Uhlenbruck
Ehrenvorsitzender des Arbeitskreises für Insolvenz- und Schiedsgerichtswesen e.V. Köln
Weiterer aufsichtsführender Richter am Amtsgericht Köln a.D., Insolvenzgericht
Autor, Namens- und Herausgeber des neuen Kommentars zur Insolvenzordnung,
vormals der Kuhn / Uhlenbruck
Moderation:
Prof. Dr. Christoph G. Paulus
Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Deutsches und internationales Römisches
Recht an der Humboldt-Universität Berlin
Vorstand des Insolvenzvereins

Das wirtschaftliche Leben spielt sich nicht in einem moralischen Vakuum ab. Es ist nach Feststellung von W. Röpke vielmehr dauernd in Gefahr, "die ethische Mittellage zu verlieren, wenn es nicht von starken moralischen Stützen getragen wird". Die moralischen Stützen sind aber weltweit ins Wanken geraten. Trotz immer strengeren Bilanzierungsregeln zeigt sich nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA, dass vor allem in der Unternehmenskrise Bilanzen frisiert und gefälscht werden. Krisenunternehmen werden von cleveren Managern als "Selbstbedienungsladen" benutzt. Je mehr Straftaten aufgedeckt werden, umso eifriger sind Unternehmen bemüht, die abhanden gekommene Ethik durch einen "Corporate Governance Codex" zu ersetzen. Fast jedes Land in Europa hat inzwischen seinen "Code of best practice", seine angepassten Börsengesetze oder Ausschüsse, Gremien und Initiativen. Für viele Anleger ist die Corporate Governance mindestens so wichtig wie die finanzielle Performance eines Unternehmens.

Herr Prof. Dr. Uhlenbruck ging nicht nur auf die Frage ein, ob die Corporate Governance Wirtschaftsethik ersetzen kann, sondern ob jede Form von Ehrenkodex nicht bestimmte ethische Grundvorstellungen zwingend voraussetzt. Der Unterschied zum Gesetz besteht in der fehlenden Durchsetzbarkeit. Dabei stellt sich die weitere Frage, ob die Selbstdisziplinierung von Unternehmen und Institutionen ihre natürliche Grenze findet, wenn das Unternehmen in die Krise gerät. An welchen Wertvorstellungen hat sich ein Corporate Governance Codex zu orientieren? Können moralische Werte, wie Gerechtigkeit, Fairness, Integrität, Vertragstreue und Ehrlichkeit mit verbindlicher Wirkung für das Management als "Unternehmensphilosophie" nicht nur festgelegt, sondern auch auf dem internationalen Markt durchgesetzt werden? Allzu leicht erwächst die Gefahr, dass ein Werteuniversalismus in einen Werteimperialismus umschlägt. Es wurde aufgezeigt, wie Unternehmen, Aufsichtsgremien und Berufsgruppen mit dem "Reputationskapital" einer Corporate Governance umzugehen haben, wenn sie dauerhaft am Markt bestehen wollen.